E-Commerce und Steuern: Eine Einführung für Online-Händler

Die digitale Revolution hat die Handelswelt verändert und das Online-Geschäft boomt. Ob als kleines Nebengeschäft oder als Großunternehmen, viele erkennen das Potenzial im Online-Handel. Aber neben all den Vorteilen und Möglichkeiten birgt das digitale Geschäft auch seine Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf steuerliche Fragen.

Um beim zuständigen Finanzamt in Deutschland zu glänzen und beim Steuerrecht einen Überblick zu bekommen, haben wir für dich die wichtigsten Grundlagen einmal zusammengefasst.

Mit deinem Online-Shop Steuern richtig handhaben: Darum geht es in diesem Beitrag.

Disclaimer: Dieser Beitrag ersetzt keine professionelle Steuerberatung und ist auch nicht als solche zu verstehen. Aber du weißt am Ende, worauf du achten musst und welche Fragen du deinem Steuerberater stellen solltest.

Los geht’s…

Die Gründungsformalitäten: Mehr als nur ein Online-Shop

Bevor du überhaupt mit dem Verkauf beginnen kannst, sind einige Formalitäten zu erledigen. Der erste und wohl offensichtlichste Schritt ist die Gewerbeanmeldung beim Finanzamt. Das ist schnell erledigt und kostet dich keine 50€. Nachdem du deine Steuernummer bekommen hast, kannst du starten.

Gewerbeanmeldungen erfolgen bei deinem zuständigen Gewerbeamt

Bis der Brief mit der Steuernummer ankommt, kann es manchmal 4-8 Wochen dauern. So lange sollte man nicht mit den weiteren Vorbereitungen warten. Du kannst bis dahin schon alles Wichtige für deinen Onlineshop aufsetzen.

Die Rechnungsstellung kann allerdings erst erfolgen, wenn deine Steuernummer gekommen ist.

Dieser administrative Prozess ist nicht nur ein notwendiger bürokratischer Schritt, sondern bietet dir auch die Gelegenheit, die richtige Rechtsform für dein Unternehmen zu prüfen. Einzelunternehmen, GmbH oder doch lieber UG? Bei der Gründung einer UG oder GmbH sind weitere Schritte erforderlich (z.B. eine notarielle Beurkundung). Darauf gehen wir hier aber nicht näher ein.

Jede Rechtsform hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, sowohl in Bezug auf die Haftung als auch auf steuerliche Aspekte.

Der folgende Tipp wird der mit Abstand wichtigste beim Thema Steuern:
SUCH DIR EINEN STEUERBERATER! Von Anfang an! Keine Kompromisse!

Quelle: https://www.freepik.com/free-photo/payroll-still-life-with-magnifying-glass_18493831.htm#query=Lupe%20steuerformular&position=0&from_view=search&track=ais

Nur ein Steuerberater darf steuerlich beraten und nur in einem Steuerbüro bekommst du alle Fragen individuell beantwortet. Das wirst du spätestens feststellen, wenn du eine Frage stellst und immer wieder die Antwort hörst: Das kommt drauf an.

Und genau so ist es. Jeder Fall ist individuell, jede Konstellation verschieden.

Praxis-Tipp: Man sollte auf jeden Fall genügend Berater vergleichen um Kompetenzen im Online-Handel / Streckengeschäft zu prüfen. Viele haben da wenig Expertise + manche sind auch noch etwas altmodisch. Der Steuerberater sollte auf jeden Fall auf Tools wie Lexoffice, Datev etc. zugreifen können.

Die drei Hauptsteuern: Ein Überblick

Gewerbesteuer: Dies ist eine Gemeindesteuer und basiert auf dem Ertrag deines Geschäfts. Für Einzelunternehmer und Personengesellschaften gilt ein Freibetrag, der in vielen Gemeinden bei 24.500 Euro liegt. Unternehmen, deren jährlicher Gewinn diesen Betrag nicht übersteigt, müssen keine Gewerbesteuer zahlen. Aber Vorsicht: Für Kapitalgesellschaften wie die GmbH oder UG gibt es diesen Freibetrag nicht.

Einkommensteuer: Dies ist die Steuer, die jeder Bürger auf sein Einkommen zahlen muss. Für Unternehmer wird das Einkommen durch den Gewinn aus der unternehmerischen Tätigkeit bestimmt. Der Steuersatz ist progressiv und hängt damit von der Höhe des Einkommens ab.

Der Spitzensteuersatz in Deutschland liegt bei 42 % (Stand 2023). Einzelpersonen zahlen den Spitzensteuersatz ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 62.810 €. 

Umsatzsteuer: Hier wird es besonders interessant für Online-Händler. Denn je nachdem, wo deine Kunden sitzen und wohin du versendest, können verschiedene Umsatzsteuersätze und Regelungen gelten.

Grundsätzlich gilt die deutsche Umsatzsteuer von 19% (oder der ermäßigte Satz von 7% für bestimmte Waren) für alle Verkäufe an Kunden in Deutschland.

Bei Verkäufen an Kunden in anderen EU-Ländern hängt die Anwendung der Umsatzsteuer von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Art des Produkts und des Gesamtwerts der Verkäufe an Kunden in diesem Land.

Seit Juli 2021 gibt es mit dem Mehrwertsteuer-Digitalpaket neue Regelungen, die weitreichende Änderungen für Online-Marktplätze mit sich bringen. Schau dir dieses Thema am besten separat noch einmal an, wenn das auf dich zutrifft.

Der internationale Verkauf: Die Umsatzsteuer in Europa

Verkäufe innerhalb Deutschlands sind in Bezug auf die Umsatzsteuer recht einfach zu handhaben. Verkaufst du jedoch an Kunden im EU-Ausland, musst du die Umsatzsteuerregelungen des jeweiligen Landes beachten. Hierbei gilt grundsätzlich das Bestimmungslandprinzip, d.h. die Umsatzsteuer des Landes, in das die Ware versendet wird.

Seit Juli 2021 gibt es jedoch einige Änderungen in Bezug auf die Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden Verkäufen innerhalb der EU. Mit dem neuen „One-Stop-Shop“-Verfahren können Unternehmen die Umsatzsteuer für alle EU-Länder zentral in ihrem Heimatland anmelden und abführen.

Kommt dieser Fall für dich in Betracht, beschäftige dich näher damit.

Kleinunternehmerregelung: Ein Segen für Gründer?

Für viele, die gerade erst mit ihrem Online-Business starten, ist die Kleinunternehmerregelung ein wahrer Segen. Wenn du im ersten Geschäftsjahr einen Umsatz von nicht mehr als 22.000 Euro erzielst und im darauffolgenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro, kannst du von dieser Regelung profitieren. Du giltst steuerlich dann als Kleinunternehmer. Das bedeutet, dass du keine Umsatzsteuer auf deine Rechnungen aufschlagen und auch keine Umsatzsteuer abführen musst.

Du bist in diesem Fall von der Umsatzsteuer befreit. Insbesondere für Anfänger erleichtert das eine Menge Papierkram.

Achtung: Wenn keine Ust-ID vorhanden ist, gilt das reverse Charge verfahren bei Werbeplattformen nicht. D.h. du zahlst 19% auf deine Werbeanzeigen on top.

Verkauf über Plattformen: Ein doppeltes Spiel

Verkäufe über Plattformen wie Amazon oder eBay bieten einerseits eine enorme Reichweite, sind aber steuerlich nicht immer unkompliziert. Denn nicht nur du als Verkäufer, sondern auch die Plattform selbst kann steuerliche Pflichten haben. Hierbei sind insbesondere der Sitz der Plattform, der Versandort und der Zielmarkt entscheidend.

Seit 2019 sind Online-Marktplätze sogar verpflichtet, Daten über ihre Händler an die Finanzverwaltung weiterzuleiten.

Verkaufst du über Online-Marktplätze, beschäftige dich eingehend mit den steuerlichen Anforderungen, die sich damit ergeben können.

Aufpassen bei der Steuerpflicht: Der Teufel steckt im Detail

Es kann verführerisch sein, gerade zu Beginn den Fokus ausschließlich auf Produktentwicklung, Marketing und Verkauf zu legen und dabei die steuerlichen Pflichten etwas zu vernachlässigen.

Dies kann jedoch schwerwiegende Folgen haben. Versäumnisse, falsche Angaben oder nicht gezahlte Steuern können zu Strafen, zusätzlichen Gebühren und im schlimmsten Fall zu rechtlichen Konsequenzen führen.

Quelle: Sasun Bughdaryan auf Unsplash

Es gibt Fristen zu beachten, Vorauszahlungen zu leisten und Formalia einzuhalten. In der Schule wird das leider nicht gelehrt. 

Unser Tipp an dieser Stelle noch einmal: Such dir einen Steuerberater, präsentiere dort, was du planst und vorhast und lass dich umfassend darüber beraten, was steuerlich dabei zu beachten ist. 

Das erste Gespräch ist in der Regel sogar kostenlos.

Typische Fehlerquellen und wie man sie vermeidet

Die Steuerwelt ist komplex und Fehler können schnell passieren. Einige typische Fehler sind z.B.:

  • Nicht gesammelte oder verloren gegangene Belege: Du musst alles ordentlich belegen können. Es gilt zudem eine Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren für steuerlich relevante Dokumente.
  • Nicht berücksichtigte Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden Verkäufen: Weißt du die Umsatzsteuer nicht ordentlich aus oder beziehst dich z.B. auf einen Wechsel der Steuerschuldnerschaft (Reverse-Charge-Verfahren), bleibt die Zahlung der Umsatzsteuer möglicherweise an dir hängen. Also beachte unbedingt die Formalia in deinem Zielland.
  • Übersehene Einnahmen aus digitalen Dienstleistungen oder Affiliate-Marketing: ALLE Einnahmen sind zu versteuern. Lege dir daher am besten zu Beginn eine ordentliche Buchführung an, die alles sauber dokumentiert.

Um solche Fehler zu vermeiden, empfiehlt es sich, regelmäßig seine Buchhaltung zu prüfen, alle Belege sorgfältig zu sammeln und bei Unsicherheiten einen Steuerberater hinzuzuziehen.

Quelle: Kelly Sikkema auf Unsplash

In unserer 8FDA-Academy legen wir außerordentlich Wert darauf, unsere Teilnehmer darauf vorzubereiten und zu sensibilisieren. 

Fazit

Die digitale Welt bietet uns unzählige Möglichkeiten, aber mit diesen Chancen kommen auch Herausforderungen. Der Online-Handel ist ein spannendes Feld, erfordert aber auch ein fundiertes Wissen über steuerliche Regelungen.

Ein solides Grundverständnis, regelmäßige Weiterbildungen und die Zusammenarbeit mit Experten können dir helfen, diese Herausforderungen zu meistern und ein erfolgreiches Online-Business zu führen.

Zusammenfassung

Wir gehen sehr bewusst in diesem Beitrag nicht noch weiter in die Tiefe, sondern legen dir noch einmal ans Herz, dir aktiv Unterstützung zu holen. Du kannst sehr viel über Steuern lesen. Aber deine persönliche Situation, dein Standort, deine Artikel, deine Versandziele usw. sind immer höchst individuell.

Quelle: Sasun Bughdaryan auf Unsplash

Die Gründung eines Online-Shops in Deutschland erfordert eine sorgfältige Planung und Berücksichtigung verschiedener steuerlicher Aspekte. Hier sind noch einmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Die Vorbereitung und Einreichung von Steuererklärungen ist ein zentraler Teil der Geschäftsführung. Eine genaue Buchführung und die korrekte Berechnung und Abführung von Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Einkommenssteuer sind dabei unerlässlich.
  • Bei einer Expansion oder internationalen Tätigkeit kommen weitere steuerliche Fragen auf, wie die Berücksichtigung von Umsatzsteuerregeln im Ausland, Doppelbesteuerungsabkommen und Zölle sowie Einfuhrsteuern.
  • Häufige steuerliche Fehler bei Online-Shop-Betreibern sind unter anderem fehlerhafte Umsatzsteuerberechnungen, unzureichende Buchführung und Fehler bei der Preisangabe und der Steuererklärung.
Quelle: https://www.mettmann.de/web/?p=9806

Es ist wichtig, sich mit den steuerlichen Verpflichtungen vertraut zu machen und diese ernst zu nehmen, um Strafen zu vermeiden und eine solide finanzielle Grundlage für dein Unternehmen zu schaffen.

Und so seltsam das klingen mag: Steuern können Spaß machen. Vor allem die, die man nicht zahlen muss.

Mit unserer 8FigureDreamAcademy: Bilde dich weiter

In der sich ständig wandelnden Landschaft des E-Commerce ist Stillstand ein Rückschritt. Technologien entwickeln sich weiter, Kundenpräferenzen ändern sich, und der Markt wird immer dynamischer. Um in diesem Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es unerlässlich, dich selbst und dein Team kontinuierlich weiterzubilden.

Dies bedeutet nicht nur, sich über die neuesten Technologietrends und -tools auf dem Laufenden zu halten, sondern auch, das Verständnis für Kundenverhalten, Marketingstrategien und betriebswirtschaftliche Prozesse zu vertiefen.

Dazu gehören auch Steuern!

Investiere daher kontinuierlich in Weiterbildungen, um immer auf dem neuesten Stand der besten Praktiken im E-Commerce und steuerlichen Fragen zu bleiben. 

P.S. Trag dich jetzt HIER für dein kostenloses Erstgespräch ein und wir finden gemeinsam heraus, ob du ein passender Kandidat bist, um dich von uns begleiten zu lassen.

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